Vorwort des Autors

Als ich Mitte der neunziger Jahre begann, mich mit dem Thema "Grenzen Setzen in der Erziehung" näher zu beschäftigen, gab es meines Wissens nur einen Titel mit diesem Thema auf dem Büchermarkt. Jetzt, fast 6 Jahre später, zeigt eine schnelle Internet-Recherche, dass "Grenzen Setzen" bereits 13x angeboten wurde. Trotzdem glaube ich, dass es gerechtfertigt ist, ein weiteres Buch zu schreiben. In meiner Arbeit mit Pflege- und Adoptiveltern und deren Kindern konnte ich häufig beobachten, dass Grenzsetzungen zu eskalieren drohten, und zwar nach beiden Seiten: beim Kind, das extrem mit Ablehnung reagierte, und bei den Eltern, die in ihrer sozialen Elternschaft in Rollenkonflikte gerieten. So merkte ich, dass Grenzen-Setzen mehr beinhaltet als Verhaltensänderung oder "nur" eine Form der Erziehung mit Konsequenzen. Doch ich möchte den folgenden Kapiteln nicht vorgreifen.
Die Einsicht in die Bedeutung der Grenzerfahrung, für Kinder wie für die Eltern und vor allem für ihre Beziehung, haben mich überzeugt, - wenn ich als Vater von sechs jugendlichen bzw. erwachsenen Kindern gefragt werde, was ich in der Erziehung denn aus heutiger Perspektive anders machen würde - , zu antworten: Ich würde ihnen mehr und vor allem anders Grenzen setzen, denn das ist etwas Gutes. Ich selbst habe einen neuen Zugang zu Grenzen gefunden. Grenzen scheinen eine Tatsache des Lebens zu sein, mit der jeder Mensch zu kämpfen hat. Grenzsetzung in ihrer existentiellen Bedeutung für das Leben generell, dieses Phänomen gewann immer mehr mein Interesse. Als Christ fand ich dadurch eine ganz neue Einstellung zu den Begrenzungen Gottes, seinen Geboten.

Aber die konkrete Herausforderung dieses Buches ist nicht die philosophische oder theologische Fragestellung der Grenze, sondern es soll Eltern und Erziehern Impulse geben, "besser" Grenzen setzen zu können, Grenzen, die zur Vertiefung der Beziehung zwischen ihnen und ihren Kindern beitragen. Also ein Buch nicht so sehr über Notwendigkeit, Sinn und Ziel des Grenzen-Setzens, sondern mehr über dessen Umsetzung.
Dieses klare Ziel fordert heraus, sich zu beschränken, Grundsatzfragen und weiteres pädagogisches Rahmenwissen nur kurz zu streifen, diese in Ergänzungstexte zu "verpacken" oder gar nicht darauf einzugehen.

Dieser Leitfaden ist von mir als Christlicher Psychologe mit dem Wunsch geschrieben, dass die lebendige, liebende, helfende und erlösende Beziehung zu Jesus Christus direkt und indirekt als tragend sichtbar wird. Ich hoffe, dass dies so geschehen ist, dass auch Leser, die dem christlichen Glauben distanziert oder fremd gegenüber stehen, reichen Gewinn aus den zahlreichen Gedanken und Erfahrungen ziehen werden. Uns allen wünsche ich, dass wir hinter den Grenzsetzungen des Lebens die Liebe und Geborgenheit entdecken und uns für sie entscheiden und dabei merken, dass diese Liebe einen Namen trägt.
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